Hondo, 2024

Installation aus in den Wasserläufen von St. Pölten gefundenen Materialien

Für Rita Fischers Gemälde und Skulpturen bieten sich vielerlei Lesarten an: zum Beispiel die Vielfalt der in Uruguay und Südamerika vorkommenden Bäume, die der Umweltzerstörung zum Opfer fallen. Immer wiederkehrende Blutorangenmotive erinnern an die spitz zulaufenden und gewundenen Blätter von Ceibo-, Espinillo- oder Tala-Bäumen. In anderen Installationen kommen große Mengen des weichen, schwammartigen Holzes des dort ebenfalls heimischen Ombu-Baumes mit seinem gewaltigen Stamm zum Einsatz. Die abstrakten, floralen Muster finden sich oft in Kombination mit Zweigen, Plastik, Alltagsobjekten, Seilen, Metallteilen oder kleinen Pfützen, die aussehen wie Öl, das auf Wasser gespritzt wurde. 

 

In Rita Fischers Welt verschmelzen organische und anorganische Materialien in abstrakter und poetischer Manier. Ungewissheit, eine Ahnung von unendlicher Landschaft, Anzeichen einer Umweltkatastrophe sind in ihren Werken wahrzunehmen, aber auch Hoffnung und eine Sehnsucht nach weiterem Wachsen. „Letztes Jahr“, so die Künstlerin, „verzeichnete Uruguay eine noch nie dagewesene Wasserknappheit aufgrund massiver Trockenheit, die durch den Klimawandel noch verschärft wurde. Wer Glück hatte, konnte in Flaschen abgefülltes Wasser kaufen, aber selbst das war manchmal nicht mehr zu bekommen … Ich habe Regenwasser in allen Behältern gesammelt, die ich finden konnte.“  

 

Dieser Zustand des Mangels und der Dringlichkeit, der Endlichkeit und der Erneuerung liegt der ortsspezifischen Skulptur zugrunde, die Rita Fischer während einer Residency in St. Pölten geschaffen hat. Einige der verwendeten Elemente stammen aus dem Müll, der im vergangenen Jahr im Mühlbach und in der Traisen gesammelt wurde. Die Skulptur ist bei der ehemaligen Segl-Mühle platziert. Aus der Ferne erscheint sie wie ein Eindringling, ein Fremdkörper am Ufer, eine Ansammlung von Dingen, die der Wind, eine Strömung oder ein Tornado zusammengetragen haben, oder wie eine illegale Deponie – gleichsam dystopisch wie spektakulär. Nähert man sich der Skulptur, werden die Objekte erkennbar: verschiedene Wasserbehälter, Baumstämme, Pflanzen sowie gegossene, geformte oder zerbrochene Einzelteile. Was ins Auge sticht, sind die Akribie, Komplexität und Fragilität dieses nicht identifizierbaren Ökosystems, das wie ein Hybrid erscheint, in dem wir uns nicht orientieren können oder unsere Bezugspunkte überdenken müssen, um über Grenzen hinausgehen zu können. 

  • © Simon Veres
  • © Simon Veres

Rita Fischer (1972, Young, Uruguay) lebt derzeit in Montevideo. Ihre künstlerische Praxis ist mit dem Verlust von Bezugsrahmen, Unsicherheit und Entfremdung verbunden, durch Malerei und Malerei im Raum. Zu ihren Ausstellungen gehören unter anderem: „Sharing the Beauty“ im China Millennium Monument Museum in Peking (2017), „NOVUS" Contemporary Art Space (2017), „RDV" in der Galeria Soa, Montevideo (2014) und „No Place" im Heart Tower, NYC (2014).  Sie stellt auf internationalen Biennalen aus: 2. Biennale von Montevideo „500 Jahre Zukunft" im Jahr 2014 und vertritt Uruguay auf der zweiten Biennale des Mercosur in Porto Alegre, Brasilien, 1999. Rita Fischer hat bereits zahlreiche internationale Preise gewonnen, darunter: den FEFCA-Stipendienfonds zur Förderung der Ausbildung und des künstlerischen Schaffens 2012 in Uruguay, den Preis „Salon Montrouge" im Jahr 2005 in Frankreich und den „Paul Cezzanne"-Preis im Jahr 2000 in Uruguay.